Jeon-Jin Sang-Zentrum

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Jeon-Jin Sang-Zentrum in Shiheung / Seoul

„Mitte März besuchten Herr Walter, Frau Beyer und Frau Choi ein Zentrum für medizinische und soziale Versorgung, das wir in Zukunft fördern wollen: das Jeon-Jin Sang-Zentrum in Shiheung, einem Randgebiet im östlichen Seoul. Sucht man aber ein „Zentrum“ nach unseren Vorstellungen, einen weit erkennbaren Bau mit deutlichen Schildern, einem schönen Eingang usw., so findet man es nicht. Denn in diesem ärmlichen Viertel liegt es ganz unauffällig in einer engen Straße, eingezwängt zwischen chaotisch verschachtelten Häusern.

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Die ganze Geschichte begann, als Kardinal St. Kim, der große Anwalt der Armen, 1975 die katholische Association Fraternelle Internationale in Belgien um Hilfe bat für die vielen neuen städtischen Armen (urban poor), die im Zuge der raschen Industrialisierung und Landflucht hier gestrandet waren – in Slums, ungelernt, arbeitslos, ohne soziales Netz und Familienzusammenhalt.

Zunächst kam eine Krankenschwester, Sr Marie-Helene Brasseur. Die Diözese kaufte ein altes Haus für ihre Tätigkeit Dann studierte sie, – hier in Korea!- Medizin, von der Pike auf.

Heute ist aus diesen bescheidenen Anfängen ein Zentrum für medizinische und soziale Dienste erwachsen mit 22 Vollzeitbeschäftigten: zwei Apothekern, sieben Krankenschwestern, drei Sozialarbeitern, zwei Ärzten, einem Lehrer, einem Manager, zwei Küchenverantwortlichen und einer Sekretärin. Um diesen festen Kern rotieren die vielen ehrenamtlichen Helfer: 50 Fachärzte aus Univ.-Krankenhäusern, dazu Krankenschwestern, helfen abends und am Wochenende, dazu Lehrer, Animatoren, Pflegehelfer für Schwerbehinderte und Sterbende (Hospiz!). Für eventuelle Einweisungen stehen zwei katholische Krankenhäuser zur Verfügung.

Diese medizinische Arbeit ist eng vernetzt mit der Sozialarbeit, da viele Krankheiten sozio-kulturell und psycho-somatisch bedingt sind: arbeitslos, arm, alt, einsam, unwissend, verachtet…

Die Sozialarbeiter besuchen die Hilfsbedürftigen regelmäßig zu Hause, geben juristische Beratung und Aufklärung: das Zentrum vergibt Stipendien für Schul- und Weiterbildung, um den Teufelskreis von Ignoranz und Armut zu durchbrechen und die Menschen selbstbewusst und integrierfähig zu machen. Daher gibt es auch einen Kindergarten und Kinderhort. Da sahen wir Schüler in schöner heiterer Atmosphäre spielen und ihre Hausaufgaben machen – z.Tl. mit freiwilligen Helfern. Einmal monatlich treffen sich alle (professionelle und andere) Mitarbeiter zur Evaluation der bisherigen und zur Planung der weiteren Arbeit.

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Das Zentrum bekommt KEINE staatliche Unterstützung, da der Hauskomplex zu alt und die Apparate nicht neu genug seien (polemisch gesagt: nicht von 2011). Aber gerade das erweist sich auch als Vorteil: die halb private Atmosphäre der vielen kleinen Räume, mit warmem Holz gebaut, nimmt den Armen die Schwellenangst vor einem „Zentrum“; die Vernetzung der Dienste an einem Ort ist möglich, weil das Konzept flexibler ist als das einer größeren Klinik; etliche Räume werden flexibel als Mehrzweckräume benutzt – je nach Bedarf.

Man spürt sofort den brüderlich-schwesterlichen Geist dieses Hauses, die Zugewandtheit zum ganzen Menschen. Das alles ist kein Zufall! Denn das eigentliche, etwas verborgene Kraftzentrum dieses „Zentrums“ ist die kleine einfache Kapelle im Haupthaus. Die Leiterin, Sr. Dr. Brasseur, sitzt mitten unter den wartenden Patientinnen, prüft bei der Voruntersuchung einer den Blutdruck, berührt eine andere, spricht mit ihr …

Man muss unwillkürlich an Christus, den Heiland = Heilenden denken. Er rauschte auch nicht an einem Kranken vorbei oder verwies ihn an seine Jünger-Assistenten. ER blieb stehen, schaute den Armen an, fragte und berührte ihn, gab ihm so zuerst seine Menschenwürde. Ich glaube, manche dieser Patientinnen sind wohl noch nie so aufmerksam von einem Arzt beachtet u. behandelt worden – und das kostenlos oder – wenn möglich – mit kleinem Eigenbeitrag und — hoffentlich – mit einer großzügigen Spende von uns!

Regine Choi

(Aus dem Gemeindebrief; Ausgabe April-Mai 2011)